17
Mai
2010

Mobilfunk: Bedarfsproduktion beim Verbraucher

Dr. Karl Braun-von Gladiß

Wer über das Mobilfunknetz auf seinem Laptop im Stadtpark Computerspielen möchte, wird heute noch enttäuscht. Die bisherige technische Ausstattung ist dafür unvollständig. Dies ist nur ein Beispiel für die technische Rückständigkeit, unter der wir leiden, ohne es bislang zu merken. Doch das lässt sich ändern. Das Verlangen nach Erweiterung des Mobilfunks bei Verbrauchern kann geweckt werden.

Eins jedoch ist schon längst realisiert: Über Basisstationen (Mobilfunktürme) sind nicht nur ein oder zwei oder drei parallele Netze aufgebaut (warum brauchen wir mehr als eins?), sondern viele verschiedene, und die uns so erreichenden Wellen überlagern sich gegenseitig und verunmöglichen die Berechnung des Einflusses eines einzelnen Netzes. So kommt es nun auf ein paar Netze zusätzlich auch nicht mehr an.

Zwar ist die Diskussion über die erheblich höheren biologischen Risiken der UMTS Technik gegenüber den älteren Netzen noch relativ jung, überholt ist sie aber durch die technische Wirklichkeit schon längst, und der Staat verdient kräftig mit. Zur Zeit läuft die zweite Versteigerungsaktion für Frequenzen, die u.a. zur Realisierung des nachstehend Beschriebenen gebraucht werden. Deshalb ist es heute nicht mehr in erster Linie wichtig, ob ein Mobilfunkturm in der Nachbarschaft steht, sondern welche Netze darüber betrieben werden.

Und noch bedeutsamer erscheint die Beliebigkeit, mit der neue Bedürfnismärkte auf dem Feld der sich wandelnden Mentalität der Bevölkerung erschlossen werden. Es sieht so aus, als wäre diese gemäß Marktbedürfnissen beliebig formbar geworden. Macht Mobilfunktechnik das, was wir als Notwendigkeit und als Bedürfnis empfinden und bezeichnen, zum Jonglierspiel, mit die Industrie je nach Gewinnerwartung neue Varianten erprobt?

Dieter Moor hat seinem Buch über die Provinz Brandenburg den Titel ?Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht? gegeben und erhob so das Geschäftmotto eines Tante-Emma-Ladens schmunzelnd zum Synonym seiner ?Geschichten aus der a...freien Zone? (Untertitel des ro-ro-ro-Sachbuches 62475).

Bezogen auf die Mobilfunkindustrie braucht man das nur umzudrehen: ?Sie brauchen, was wir haben?. Jedenfalls sind die dem Markt gemäße Formbarkeit von Verbraucherverhalten, die Produktion subjektiver Bedürfnisse und die profitgerechte Definition des Gefühls von Notwendigkeit längst feste Operationsgrößen in den mittelfristigen Planzielen der Marktstrategie von Mobilfunkbetreibern geworden.

?Grenzen gabs gestern. Heute habe ich meine Freunde immer dabei? ? so lautet eine großformatige Werbung von T-mobile für Handys.

Dass uns jede Information jederzeit ohne Verzögerungseffekt überall sofort zugänglich sein soll, dass pure Natur nirgendwo mehr alleine existiere, dass wir an keinem Ort der Welt mehr alleine und ohne knopfdruckgesteuerten Zugriff auf Rettungssysteme eigenverantwortlich auf uns gestellt seien, diese Vorstellung bezeichne ich als Perversion des Denkens und des Empfindens. Mobilfunktechnik macht sie zur selbstverständlich gewordenen Grundstimmung ganzer Generationen.

Erstmals in der Geschichte der Menschheit verliert sich die Wichtigkeit für Menschen, eigenverantwortlich präventiv zu prüfen, ob eine riskante Situation betreten werden kann. Belastungen auszuhalten und auch die positive aus dem Alleinsein erwachsende Psychodynamik ? diese zur Bewältigung des Lebens wichtigen Spannungsbögen werden immer weniger trainiert. Die Tragweite, was das im Gefühl der Menschen, in der Kommunikation, im Selbsbewusstsein, im Verhalten und auch in den politischen Entscheidungen verändert, können wir uns noch gar nicht vorstellen. Möglicherweise ist die Auswirkung dieser Verschiebung von Mentalität aber gleich groß oder sogar noch bedeutsamer als die individuellen gesundheitlichen Belastungen der Mobilfunktechnik.

Die folgenden Zitate sind dem Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung vom 8. Mai 2010 entnommen. ?Schneller, besser und billiger?? so soll der neue Standard die nächste Stufe der Mobilfunkentwicklung sicherstellen, mit dem Begrenzungen der Computerspiele im Stadtpark endlich fallen. Dem dient die derzeitige Versteigerung der Sendefrequenzen durch die Bundesnetzagentur. ?Zwar bringt die Neuerung für den Verbraucher erst einmal keinen nennenswerten Vorteil, aber schon in einigen Monaten sollen dann Endgeräte auf den Markt kommen, die neue Bedürfnisse schaffen, zum Beispiel Computerspielen? über Mobilfunknetz. ?Aber auch andere Mobilfunk-Nutzungsmöglichkeiten können sicher neu erfunden werden. Den Leuten wird schon irgend etwas einfallen, um das Netz auszulasten?, sagt ein hochrangiger Industrievertreter. Und weiter: ?Bislang funktionierte das immer auf diese Weise. Es gibt eine praktisch unbegrenzte Nachfrage nach Bandbreite. Wenn die vierte Netzgeneration einmal da ist, lässt sie sich bestimmt auch irgendwie verkaufen.? Gesichert ist jedenfalls, dass sich die Industrie von der neuen Generation des Mobilfunks künftig viel Umsatz versprechen kann.

Weil diese Zitate reißerisch und überzeichnet wirken können (es aber leider nicht sind), wird nachfolgend der Text des gesamten Artikels wiedergegeben:

?Schneller mobil surfen. Der schwedische Handybetreiber Telia testet bereits den UMTS-Nachfolger 4G. Von Gunnar Herrmann (Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr.105, Samstag, den 08. Mai 2010, Seite 29)

Stockholm - Auf den ersten Blick sieht der schwarze Quader, der da seitlich aus dem Laptop ragt, wie ein ganz normales Mobilfunk-Modem aus. Aber für Lars Klasson ist das kleine Gerät eine Box voller Träume - der Technik-Vorstand des schwedischen Mobilfunkbetreibers Telia gerät ins Schwärmen. Was da vor ihm auf dem Podium summt, ist für ihn nicht weniger als der Beginn der "dritten mobilen Revolution", mit der schon in wenigen Jahren "alles vernetzt" wird.

Tatsächlich birgt Klassons unscheinbares Rechnerzubehör eine echte Neuerung: Als erstes Unternehmen der Welt betreibt Telia nämlich ein kommerzielles Mobilfunknetz mit dem neuen Standard "4G". Schneller, besser und billiger soll es sein. Ob das stimmt, können seit Anfang des Jahres einige ausgewählte Kunden in Oslo und Stockholm testen.

4G, manchmal auch mit dem Kürzel LTE bezeichnet, ist Hoffnungsträger der Mobilfunkbranche. Nach dem weltweiten Ausbau der herkömmlichen GSM-Netze und dem Durchbruch von UMTS (auch: 3G) soll der neue Standard nun das nächste große Geschäft werden. In mehreren Ländern werden bald schon 4G-Netze entstehen, nach Norwegen und Schweden sollen nun unter anderem Ballungsgebiete in den USA und China folgen. In Deutschland ist man noch nicht ganz so weit: Dort läuft gerade die Versteigerung der Sendefrequenzen, die einmal für die Netze der vierten Generation genutzt werden sollen. Insgesamt verkauft die Bundesnetzagentur sechs Frequenzblöcke, um die sich E-Plus, O2, T-Mobile und Vodafone bewerben.

Ob mit 4G wirklich eine "mobile Revolution" beginnt, wie Klasson meint, bleibt allerdings abzuwarten. Für den Verbraucher in Schweden und Norwegen jedenfalls bringt ein 4G-Abonnement erst einmal keine großen Neuheiten, wohl aber eine Reihe von Verbesserungen. Die wichtigste ist, dass das Internet deutlich flotter wird. Telias 4G-Modem überträgt in Stockholm Daten mit 100 Mbit pro Sekunde etwa doppelt so schnell wie ein normaler UMTS-Anschluss. In einigen Monaten sollen dann Endgeräte auf den Markt kommen, die sogar dreimal schneller als UMTS sind - und weitere Steigerungen sind in Aussicht. Letztlich wird die vierte Generation der Mobilfunknetze wohl bis zu fünfmal mehr leisten können, als die dritte. Zudem hat das neue Netz wesentlich kürzere Reaktionszeiten, was unter anderem für Computerspieler ein wichtiger Vorteil ist, aber auch den Aufbau komplexer Webseiten stark beschleunigt.

Die wichtigsten Neuerungen durch 4G aber seien jene, meint Klasson, die noch gar nicht erfunden seien. Der Manager ist sich aber sicher, dass den Leuten schon irgend etwas einfallen wird, um das Netz auszulasten. Bislang funktionierte das immer auf diese Weise: Je leistungsstärker die Internetzugänge wurden, desto größer wurde auch die zu übertragende Datenmenge. "Es gibt eine praktisch unbegrenzte Nachfrage nach Bandbreite", sagt Klasson. Anders gesagt: Wenn die vierte Netzgeneration einmal da ist, lässt sie sich bestimmt auch irgendwie verkaufen.

Ähnlich sieht man das bei Ericsson, dem weltweit größten Ausrüster von Mobilfunknetzen, der auch Telias 4G-System in Stockholm baut. Ericsson verspricht sich von der neuen Generation des Mobilfunks künftig viel Umsatz, allerdings nicht nur wegen des steigenden Bedarfs an schneller Datenübertragung. Neben der Geschwindigkeit habe 4G eine Reihe von weiteren Vorteilen, erläutert Marie Westrin, Chefin der Forschungsabteilung bei Ericsson. Im Gegensatz zu früheren Mobilfunkgenerationen sei 4G von vorne herein für Internet und Datenübertragung konstruiert. Damit vereinfache sich die Technik hinter einem mobilen Breitbandanschluss. Das System ist Westrin zufolge auch wartungsfreundlicher. Langfristig könnten die Netzbetreiber dadurch Betriebskosten senken.

Die schwedischen Erstkunden merken von diesem Sparpotential nichts. Denn Telia lässt sich seine superschnelle Weltneuheit gut bezahlen. Etwa 60 Euro monatlich verlangt das Unternehmen in Stockholm für ein 4G-Abo. Unbegrenztes Surfen nicht inbegriffen: 30 Gigabyte darf der Nutzer pro Monat übertragen, dann wird die Geschwindigkeit gedrosselt. Richtig schnell surft man vorerst ohnehin nur in der Stockholmer und Osloer City - erst im Laufe des Jahres werden 25 weitere Städte und Urlaubsgebiete in Schweden mit 4G abgedeckt.?


Privat-Institut für Ganzheitliche Medizin und Gesundheitsförderung

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Ende der Frequenz-Versteigerung ? Weg frei für mobiles Internet mit LTE

DSL-News.de

Die vier Unternehmen Telekom, Vodafone, Telefonica (O2 und Alice) und Erste MVV Mobilfunk Vermögensverwaltungsgesellschaft (E-Plus) erwarben Frequenz-Pakete ...

http://www.dsl-news.de/dsl-meldung-3947.htm



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http://omega.twoday.net/search?q=GSM
http://www.buergerwelle.de:8080/helma/twoday/bwnews/search?q=UMTS
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