Von den genetischen Bausteinen des Lebens bis hin zum Gesamtorganismus wurden Effekte von
nieder- und hochfrequenten EM Feldern gezeigt, die gesundheitsschädlich sein können. Alle Grund-
funktionen des Körpers, welche das Zellwachstum und die Zellteilung kontrollieren, die Immunüber-
wachung sowie der Schutz vor Toxinen können betroffen sein, vielfach selbst bei umwelttypischen
Feldstärken. Krebs als relevanter Endpunkt von RF Strahlung ist seit 20 Jahren untersucht worden
und sowohl Tierexperimente als auch Untersuchungen am Menschen weisen auf einen Zusammen-
hang zwischen bestimmten Formen der Exposition und Krebs hin. Die größte Sorge bezüglich der
Technologie der Mobiltelefonie besteht in deren raschen weltweiten Verbreitung, wodurch binnen
kürzester Zeit Millionen Anwender einer potentiellen Gefahr ausgesetzt werden, wobei sich die Hin-
weise auf ein erhöhtes Risiko für Hirntumore verdichten.
Im Auftrag der US Air Force untersuchten Guy et al. (1984) Ratten im ersten großen Programm, das
sich mit Effekten von Mikrowellen auf die Gesundheit befasste. Zum damaligen Zeitpunkt gab es
bereits mehr als 6000 Artikel zu biologischen Effekten von RF Feldern, aber keinen, der sich mit dem
Gesundheitsrisiko geringer Feldstärken befasste. Historisch gesehen erbrachte diese Studie als erste
Belege für Effekte unter Langzeitexposition. John Mitchell (1992) vom Brooks Air Force Base Arm-
strong Laboratory als Auftraggeber von Guys Rattenexperiment fasste zusammen: “Auf unser Ersu-
chen führte Bill Guy eine bedeutende Langzeit-Studie durch, die besser und gründlicher war als alle
bisherigen Arbeiten auf diesem Gebiet. Die Tiere kontinuierlich über 2 Jahre zu exponieren entsprach
einem gänzlich neuen Konzept, für welches auch die gesamte technische Ausrüstung neu adaptiert
werden musste.“
Das Ziel der Studie war, Tiere während ihres gesamten natürlichen Lebens einer RF Strahlung von
450 MHz bei einer Flussdichte von 1 mW/cm² auszusetzen. Der Schwerpunkt des Interesses lag auf
möglichen kumulativen Effekten auf Lebensdauer und allgemeinen Gesundheitsindikatoren.
Der erste Bericht über das Rattenexperiment erschien 1985 (US Air Force USAFSAM-TR-85-64 report
"Effects of long-term low-level radiofrequency radiation exposure on rats"). Darin wird eine vierfa-
che, statistisch signifikante Zunahme von Krebserkrankungen dokumentiert.
Anlässlich der Festschrift zu Guys Pensionierung berichten Chou et al. (1992) neuerlich über diese
Ergebnisse. Sie geben die damalige SAR mit 0,15 – 0,4 W/kg an. Verwendet wurde ein 2450 MHz
Feld mit eine Pulsmodulation von 8 Hz. Beachtlicherweise beträgt die gegenwärtige ICNIRP-
Empfehlung zur SAR für die Allgemeinbevölkerung ebenfalls 0,4 W/kg.
Obwohl Guy dringend eine Überprüfung und Reproduktion seiner Ergebnisse einmahnte, wurde
über mehr als ein Jahrzehnt keine weitere vergleichbare Untersuchung in Angriff genommen.
Repacholi et al. (1997) fanden bei transgenen Mäusen unter 900 MHz GSM-Frequenz eine signifi-
kante 2,4-fache Erhöhung der Lymphominzidenz. Es ist bemerkenswert, dass normale GSM-Signale
über nur zwei mal je eine halbe Stunde täglich verwendet wurden. Geschäftsreisende telefonieren
derzeit oft mehr als 3 Stunden täglich.
Eine zweite Mäuse-Studie von Repacholi (Harris et al, 1998) fand bei 50 Hz EM-Feldern keine Zu-
nahme von Krebserkrankungen. Bezugnehmend auf die andere, positive Studie und epidemiologi-
sche Untersuchungen, die mit der Nähe zu Hochspannungsleitungen eine erhöhte Krebsinzidenz
fanden, diskutieren die Autoren, dass für die Wirkung der Hochspannungsleitungen nicht die 50/60
Hz Felder, sondern transiente Hochfrequenzfelder verantwortlich seien. Im 50 Hz Mäuseexperiment
erfolgte die Exposition derart, das transiente Hochfrequenzfelder minimiert waren.
Hardell berichtete 1999 über ein erhöhtes Risiko für Hirntumoren bei Benutzern von Mobiltelefonen.
Hierbei handelte es sich zumeist um Glioblastome sowie um Meningeome und Neurinome. Ein er-
höhtes, allerdings nicht statistisch signifikantes Risiko fand sich bei analogen Telefonen für maligne
Hirntumore an jener Seite des Kopfes, an welcher das Telefon üblicherweise gehalten wurde. Für