| | | Aus der Presse: SZ 10.11.98 | | Riskante Funkwellen Handys im Flugzeug — eine noch immer vernachlässigte Gefahr Lufthansa Flug 885 von München nach Hannover am vergangenen Donnerstag. Die Sieben-Uhr-Dreißig-Maschine ist randvoll. Mehr als 130 Passagiere, fast nur Geschäftsleute, müssen ihr Gepäck zwischen den Füßen und unter dem Vordersitz verstauen. Kaum einer hört hin, als das Begleitpersonal die Sicherheitsanweisungen vorträgt. Die Damen und Herren Vielflieger haben sich in Zeitungen vertieft. Plötzlich stoppt die Maschine auf dem Weg zur Rollbahn. In der Stimme des Kapitän liegt ein ungewohnter Ton. Trotz der eben erfolgten Anweisung, elektronische Geräte auszuschalten, seien im Cockpit elektrische Störungen zu entdecken. Er fordere alle Passagiere ultimativ auf, ihre Handys auszuschalten, ,,sonst findet der Flug nicht statt." Ein ungewöhnliches Schauspiel beginnt: Mehr als die Hälfte der Fluggäste beginnt, in Mänteln, Aktentaschen und Gepäckfächern nach Telephonen zu suchen. Allgemeine Heiterkeit bestimmt das Geschehen. Nur bei wenigen, handylosen Passagieren, kommt Wut auf: Offenbar messen die Business-Flieger einer funktionierenden Bordelektronik wenig Bedeutung zu. Das ist jedoch nicht nur im juristischen Sinne eine strafbare Handlung - elektronische Geräte müssen per Gesetz während Start und Landung ausgeschaltet sein - sondern auch aus technischer Sicht mehr als leichtfertig. Auch im sogenannten Stand-by-Modus ist ein Mobiltelephon keineswegs untätig: Das Handy versucht dauernd, sich in die sendestärkste Zelle des Mobilfunknetzes einzuwählen. Stößt es dabei, auf ein schwaches Netz, schraubt das Gerät selbständig seine Sendeleistung bis zum Maximum, was die Bordelektrik empfindlich stören kann. In einem Flugzeug kommt dieses Phänomen doppelt zum Tragen: Zum einen bildet das Metall des Rumpfes eine Art elektrischen Käfig, so daß die Felder der Mobilfunknetze nur schwach in den Innenraum dringen. Zum anderen bewegt sich ein Flugzeug so schnell, daß ein Mobiltelephon verstärkt nach der richtigen Zelle des Funknetzes sucht. "Manchen ist offenbar nicht bewußt, daß dadurch Störungen auftreten können", klagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberti. Er weist darauf hin. daß auf Langstreckenflügen ein Satellitentelephon zur Verfügung stehe. "An Bord jedenfalls müssen Handys unbedingt vollständig ausgeschaltet sein'', erklärt Lamberti. Vor einigen Monaten testete die Lufthansa Detektoren, die Störungen durch Mobiltelephone automatisch anzeigen. Ein serienmäßiger Einbau solcher Geräte in die Maschinen der Kranich-Flotte sei bislang jedoch nicht geplant, so die Auskunft der Lufthansa. Pai | |